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Noch mehr Windkraft rund um Wilnsdorf?

Aus gegebenem Anlass möchten wir hier die Stellungnahme von Andreas Klein wiedergeben, unserem Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat Wilnsdorf:


29.08.2023

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Ratsmitglieder, 

wir stehen heute am Ende eines Prozesses, bei dem die Gemeinde Wilnsdorf als Verwaltung und wir als die Vertreter der Bürgerinnen und Bürger versucht haben, die Erschließung der Gemeinde mit WKA zu steuern und eine Verspargelung der Landschaft zu verhindern

Wir haben in diesem Gremium lange gerungen, bis wir eine Lösung gefunden hatten, die man als verträglichen Kompromiss bezeichnen konnte und die durchaus eine Akzeptanz in der Bürgerschaft gefunden hatte. 

Das Zauberwort damals hieß kommunale Planungshoheit mit dem Ergebnis der Schaffung von Vorrangzonen für WKA, um damit einen Wildwuchs zur verhindern und den Bau der Anlagen auf einige wenige Gebiete innerhalb der Gemeinde zu konzentrieren. 

Genauer gesagt waren es zwei Bereiche. Durch aufwendige und akribische Arbeit der Verwaltung kristallisierten sich letztlich diese Flächen heraus.

Der Gesetzgeber und damit die Politik in Bund und Land, und zwar insbesondere die Politik der Grünen, der SPD, der CDU und der FDP hatten aber andere Pläne. 

Klimaneutral zu werden mit dem Ausbau der Windkraft an Land. Es gibt keine Tabus mehr. Das Bundesnaturschutzgesetz wurde geändert und Landschaftsschutzgebiete zum Bau von WKA freigegeben. Waren es erst 1500 m und dann 1000 m, fallen die Abstandsregelungen jetzt komplett – Baugesetze wurden geändert, Genehmigungsverfahren vereinfacht. 

Mit anderen Worten: Feuer frei für WKA ohne Rücksichtnahme auf die Belange der Natur und der betroffenen Menschen und Regionen.

Über den Sinn und Zweck von Anlagen im Wald wird gar nicht mehr nachgedacht. Ganz zu schweigen von den massiven Eingriffen in die Natur, in den Wald, dem größten CO2 Speicher, den wir haben. Einem Wald der als Feinstofffilter wirkt, Luftkeime abtötet, die Luft befeuchtet, Sauerstoff produziert, den Grundwasserstand sichert, lärmdämpfende Wirkung und vieles mehr hat.

10.000 m² Wald produzieren 21 t Sauerstoff und speichern 338 t CO2, speichern 1000 m³ Wasser und filtern 50 t Staub.

Und was machte eine WKA …?

Diesen Wald hat die große Politik zum Abschuss frei gegeben, um ihre vermeintlich so hehren Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes, die nichts anderes als ideologischer Wahnsinn sind, zu erreichen.

Bodenverdichtung in Wäldern und auf Zufahrtswegen, Vögel, Fledermäuse und Fluginsektensterben durch die Kollision mit den Rotoren. Die Verwendung kaum recycling-fähiger Rohstoffe und „Seltene Erden“, ein Kettensägenmassaker im Wald durch die Rodung der benötigten Flächen sowie das Freisetzen von Mikroplastik der kunststoffbeschichteten Teile durch Wind und Staub

Hauptsache die Ausbauziele werden erreicht. 

Money makes the world go round. 

Noch mal zur Erinnerung:

Für den Bau eines Windrades mit einer drei Megawatt Leistung werden 1744 Tonnen Stahlbeton, 23 Tonnen Stahl, 73 Tonnen Guss, 29 Tonnen glasfaserverstärkter Kunststoff, 12 Tonnen Kupfer und 1 Tonne Aluminium also insgesamt 2096 Tonnen Material verwendet. Viele Windkraftanlagen enthalten oft noch das Treibhausgas SF6, das 22.000 mal klimaschädlicher ist als CO2.

Das, meine Damen und Herren, sind ausgemachte Industrieanlagen, und die haben im Wald nichts zu suchen. 

Industrieanlagen, die nicht grundlastfähig sind. Diese Grundlast wird immer noch durch Atomstrom aus unseren Nachbarländern sichergestellt, der teuer zugekauft werden muss. Immer noch wird jede Menge Kohle verstromt und damit die CO2 Bilanz deutlich verschlechtert. 

Mit diesem Flatterstrom lässt sich keine Netzstabilität herstellen.

Damit ist und bleibt diese Art der Stromversorgung unzuverlässig. Ohne Wind null Strom. 

Die Zeche zahlen wir alle mit den höchsten Energiekosten weltweit. Das Vergleichsportal Verivox hat ermittelt, dass die Strompreise in Deutschland durchschnittlich 174 Prozent teurer sind als im Rest der Welt. Die Gründe hierfür kann sich jeder selbst an einer Hand abzählen. 

Und wenn ich mich dann an die Aussage des Grünenpolitikers Trittin erinnere, der mal geäußert hat, das die Energiewende den Bürgern nicht mehr als eine Kugel Eis kosten werde, dann muss ich feststellen, dass die Politik die Menschen für ziemlich blöd hält.

Und nun neun neue Anlagen auf dem Gebiet der Gemeinde, und zwar nicht in den dafür vorgesehenen Vorrangzonen, sondern außerhalb davon. 

Wie schreibt die WP am 28.08.2023: Vorstoß für einen vierten Windpark in Wilnsdorf, 3-mal so viel Windräder … ob dieser neue Windpark kommt oder nicht kann die Gemeinde nicht mehr beeinflussen. 

Geplant sind 2 neue Anlage bei Niederdielfen, 2 neue bei Obersdorf und 5 WKA rund um Wilden. Anlagen der neusten Generation, bis zu 290 m hoch. Und es ist vermutlich erst der Anfang, denn steuern lässt sich der Zubau von Windkraftanlagen nicht mehr. 

Die Bereiche, die der Regionalplan in Wilnsdorf vorsieht, sind üppig. Die kommunale Selbstverwaltung und die kommunale Planungshoheit haben sich hier zumindest erledigt.

Wir alle hier sollten wissen, was wir für unsere Gemeinde haben wollten und was wir beschlossen haben. So schafft man keine Akzeptanz in der Bevölkerung. 

Die Szenarien von damals, eine Umzingelung der Gemeinde mit diesen Anlagen zu verhindern, wird tatsächlich Realität.

Man kann den Standpunkt vertreten, dass wir jetzt das Beste daraus machen sollten und so viel Profit als Gemeinde abgreifen wie möglich. Man kann aber auch weiter kritisch sein, die Gefahr sehen und das auch deutlich kundtun. 

Die Beurteilung der Gemeinde für die jetzt in Rede stehenden Anlagen in ihrer Beurteilung ist in einem Satz zusammengefasst folgende:

Bedenken gegen die Projektplanung sind seitens der Gemeinde nicht zu erheben.

Ich allein habe in meinem Statement eine Menge Bedenken geäußert. Das hätte ich zumindest ansatzweise auch von der Verwaltung erwartet.

Unserer Fraktion weist die Stellungnahme der Verwaltung zurück und fordert sie auf, die entsprechend von mir genannten Bedenken und Anregungen mitzuverarbeiten.

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